Startseite
  Über...
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt

Webnews



http://myblog.de/livingon

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Todeskandidatin

Wir sitzen da. Sitzen und warten.

Als wir endlich reindürfen, sehe ich meine Frau vor lauter Geräten und Schläuchen kaum. Der Arzt erklärt,dass, wenn das Team komplett ist, sie in den OP kommt und die Blutung gecoilt wird. (Coilen ist wenn man einen entspiralisierten "Spülschwamm" in Höhe des offenen Gefäßes sich wieder verknäulen lässt.)

Eine Reaktion von Seiten meiner Frau ist nicht zu erkennen. Kann man warm und tot sein? Wir sehen uns an und wir wissen wir sind machtlos. Wir müssen uns auf Andere verlassen und müssen hoffen, dass diese Anderen auch in unserem Sinne arbeiten.

In unserem Sinne?! Was ist im Sinne meiner Frau? Was bekommt sie mit? Will sie noch? Sieht sie das helle Licht am Endes des Ganges? Oder kämpft sie um Rückkehr ins Leben?

Wir verlassen die Klinik und trinken einen Kaffee. Das Handy ruft uns ins Leben zurück. Meine Eltern haben es durch die Nachbarn erfahren, mein Chef durch den Kollegen. ich er zähle zigmal das Selbe und verliere meine Stimme fast stets an der selben Stelle. Wir entschließen uns, in Haus zu fahren und kurz zu schlafen. Freunde der Tochter rufen an und bieten Unterstützung an.

Jetzt merke ich erst, dass Menschen die ich für oberflächlich hielt mir näher stehen und Andere das Weite suchen. In dieser Zeit habe ich gelernt die Freunde meiner Kinder zu schätzen. Die haben abwechselnd Urlaub genommen, haben für uns gekocht, den Garten gepflegt, Hund und Katzen versorgt, eingekauft, mit uns getrunken, gelacht und geweint.
Meine Kollegen haben gesagt, ich soll so lange von der Arbeit fortbleiben, wie ich will. Überstunden hätte ich eh genug. Nur der Chef... aber dazu später.

Unser Tagesablauf sieht für die nächsten Tage immer gleich aus. Morgens mit viel Kaffee aus dem Haus in die Klinik. Im Wechsel zu meiner Frau rein. Mittags ein Kaffee.
Im Wechsel zu meiner Frau rein. Abends heim, reden essen und viel Wein um müde zu werden. Und am Morgen wieder viel Kaffee.

Wir haben über soviel geredet, ich bekomme das Alles garnicht mehr zusammen. Wir sind von Hundersten ins Tausendstel gekommen, Wichtiges und Banales haben sich abgewechselt und es hat gut getan. Gut getan zu reden. Gut getan gehört und verstanden zu werden.

Nach 4 Tagen glauben wir einen leichten Händedruck meiner Frau zu spüren. 
Die Ärzte prüfen und verneinen. 
Am 5ten Tag hatten wir wieder das Gefühl, dass sich was tut. Erst der Assistenzarzt nimmt sich etwas mehr Zeit und bestätigt unsere Annahme.

10 Tage hat es gedauert bis sie die Augen geöffnet hat. Zwischendurch hat man ihr einen Teil der Schädeldecke entfernt, da das Hirn angeschwollen ist. Der Kopf wirkt eingefallen und ich habe Angst, sie an dieser ungeschützten Stelle zu berühren.

Mein Schatz mit kahlem Kopf und Verband, aber mit offenen Augen, wenn auch nur kurzfristig.

Ich danke Gott, Mohammed oder den großen "X" dafür dass sie lebt.
Der Kampf beginnt...


15.12.07 21:11
 


Werbung


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung